Deutsche Bank setzt auf Vault Core als neue Kernbank-Plattform für Privatkunden
Die Deutsche Bank will ihre 15 Alt-Systeme im Privatkundengeschäft auf zwei Cloud-Plattformen konsolidieren. Als erste Plattform wurde Vault Core von Thought Machine ausgewählt, wobei die Migration ab 2027 schrittweise erfolgen soll.
Was sich ändert
Die Deutsche Bank plant, ihre bisher 15 unterschiedlichen Kernbankensysteme im Privatkundengeschäft auf lediglich zwei cloudbasierte Plattformen zu reduzieren. Die erste dieser Plattformen ist Vault Core von Thought Machine und soll sämtliche Bank‑ und Kreditprodukte des deutschen Personal Banking abdecken, darunter Girokonten, Einlagen und Sparprodukte über alle Marken und Vertriebskanäle hinweg. Damit lösen die Banken die bisher genutzten SAP‑Lösungen wie SAP Deposits Management, SAP BRIM, SAP Hybris und SAP Bank Analyzer sowie das Cobol‑System ZVKK ab. Die Produktlogik bleibt dabei bei der Bank selbst entwickelt und wird als eigenständige Smart‑Contracts in Python auf der Vault‑Core‑Umgebung ausgeführt.
Vault Core stellt eine cloud‑native Architektur dar, die auf Microservices und Kubernetes basiert und dadurch eine klare Trennung zwischen Produktlogik und zugrundeliegender Infrastruktur schafft. Die Bank behält die Verantwortung für die Entwicklung und Anpassung ihrer Produkte, während Thought Machine die zugrundeliegende Plattform wartet und betreibt. Als Systemintegrator hat die Deutsche Bank GFT beauftragt, das Projekt in einem integrierten On‑shore, Near‑shore und Off‑shore Team umzusetzen. Erste Tests sind bis Jahresende geplant, die eigentliche Migration erfolgt schrittweise ab 2027, wobei die Alt‑Systeme parallel weiterlaufen, um den Betrieb nicht zu gefährden.
Was es kostet
Für die Modernisierung der Kernbankenlandschaft hat die Deutsche Bank ein Investitionsvolumen von rund 600.000.000 Euro bis Ende 2028 angekündigt. Dieses Budget soll die Lizenzierung von Vault Core, die Dienstleistungen von GFT als Systemintegrator, die Migration der Daten und Anwendungen sowie den Aufbau von KI‑Fähigkeiten und die notwendige Schulung der Mitarbeitenden abdecken. Die Bank betont, dass die Mittel sowohl für die technische Umsetzung als auch für die begleitenden Organisationsänderungen verwendet werden.
Die erwartete jährliche Einsparung von 300 Millionen Euro ergibt sich aus mehreren Faktoren: geringere Lizenz‑ und Wartungskosten für die abzulösenden SAP‑Systeme, reduzierter Aufwand für die Pflege von Schnittstellen und geringerer Energieverbrauch durch die konsolidierte Cloud‑Infrastruktur. Außerdem ermöglicht die standardisierte Plattform schnellere Einführung neuer Produkte, was zusätzliche Ertragspotenziale eröffnet. Die Bank hat zwar keine detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Kostenpositionen veröffentlicht, aber die genannten Größenordnungen geben einen ersten Anhaltspunkt für die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts.
- Investition bis Ende 2028: 600.000.000 Euro
- Erwartete jährliche Einsparung nach Abschluss: 300.000.000 Euro
Was dabei kaputtgeht
Die Migration von den bestehenden SAP‑Plattformen und dem Cobol‑System ZVKK zu Vault Core erfordert die Übertragung großer Datenmengen sowie die Anpassung zahlreicher Schnittstellen zu Zahlungsverkehr, Kartenakzeptanz, Online‑Banking und externen Partnern. Während der Umstellung müssen die Alt‑Systeme parallel betrieben werden, um den laufenden Betrieb von Girokonten, Einlagen und Sparprodukten sicherzustellen. Dieses Parallellauf erhöht den Aufwand für das Monitoring und das Daten‑Reconciliation, wobei jedes Fehlerrisiko zu vorübergehenden Dienstunterbrechungen führen kann.
Neben den technischen Herausforderungen betrifft die Umstellung auch die organisatorischen Abläufe: Der Bereich Accounts & Deposits sucht derzeit einen Lead Engineer, der die Migration 'von den SAP‑Plattformen hin zu Vault Core' unterstützt, was darauf hinweist, dass spezialisiertes Fachwissen gefragt ist. Entwickler und Betriebsmitarbeiter müssen in der neuen Python‑basierten Smart‑Contract‑Umgebung sowie in Kubernetes geschult werden, während Fachabteilungen ihre Prozesse an die neue Produktlogik anpassen müssen. Auch Schnittstellen zu Risikomanagement, Reporting und regulatorischen Anforderungen müssen überprüft und ggf. neu implementiert werden.
Was ein Wechsel verlangt
Der Wechsel zu Vault Core ist ein mehrjähriges Programm, das bereits mit der Vorbereitung und den ersten Tests begonnen hat und bis Jahresende abgeschlossen sein soll. Die eigentliche Produktmigration startet schrittweise ab 2027 und soll bis Ende 2028 abgeschlossen sein, wobei die Alt‑Systeme währenddessen weiterlaufen. Dabei sind verschiedene Unternehmensbereiche gefordert: Architektur und Entwicklung müssen die Produktlogik in Smart Contracts überführen, das Operations‑Team sorgt für den Betrieb der Cloud‑Plattform, die Fachabteilungen definieren die Migrationswellen und das Change‑Management schult die Mitarbeitenden in den neuen Arbeitsweisen.
Für die unmittelbar bevorstehenden Entscheidungen muss die Bank zunächst festlegen, welche Produktgruppen in der ersten Migrationswelle übertragen werden sollen und welche Zeitfenster für den Cut‑over als sicher gelten. Gleichzeitig ist ein Budget für externe Beratung, Schulungsmaßnahmen und eventuelle Notfall‑Rollback‑Mechanismen bereitzustellen. Die Governance muss sicherstellen, dass die DORA‑Anforderungen an eine Ausstiegsstrategie erfüllt werden, während das Projektcontrolling den Fortschritt gegenüber dem geplanten Investitionsvolumen von 600 Millionen Euro und der Ziel‑Einsparung von 300 Millionen Euro jährlich überwacht.
