Offenes Ladenetz für E‑Lkw verbindet Depot‑ und öffentliche Ladepunkte
Ab 2027 können Logistikunternehmen über ein gemeinsames Netzwerk von FRYTE und SMATRICS Ladepunkte reservieren. Das erhöht die Planungs‑ und Auslastungssicherheit für elektrische Lkw.
Was sich ändert
FRYTE und SMATRICS haben ein gemeinsames Netzwerk geschaffen, das öffentliche Schnellladepunkte und betriebliche Depot‑Ladeinfrastruktur zusammenführt. Durch die Nutzung des offenen Industriestandards OCPI werden Daten zu Verfügbarkeit und Standort in digitale Routen‑ und Ladeplanungs‑Tools integriert. Fahrer und Disponenten erhalten damit einen einheitlichen Überblick über alle Ladeoptionen entlang ihrer Strecke, was die Entscheidungsfindung in Echtzeit erleichtert. Die Plattform stellt zunächst die Ladepunkte in der Routenplanung dar und soll ab 2027 eine Reservierungsfunktion für ausgewählte Standorte bereitstellen.
Das Netzwerk ist offen für verschiedene Betreiber und verhindert die Entstehung von Insellösungen. Betreiber von Depot‑Ladepunkten können ihre bislang ausschließlich intern genutzten Kapazitäten nun für andere Unternehmen sichtbar machen, wodurch freie Ladeleistung besser ausgelastet wird. Gleichzeitig profitieren öffentliche Betreiber von einer höheren Auslastung, weil Logistikunternehmen gezielt nach verfügbaren Schnellladepunkten suchen können. Die angestrebte Verknüpfung von Reservierungsdaten mit Energiemanagementsystemen soll langfristig eine optimierte Energienutzung entlang der Lieferkette ermöglichen.
Was es kostet
Die Quelle enthält keine veröffentlichten Preisangaben für die Nutzung des Netzwerks, die Reservierungsfunktion oder die Anbindung an die OCPI‑Schnittstelle. Stattdessen wird ein Kostenmechanismus beschrieben, bei dem Betreiber von Depot‑Ladepunkten potenziell zusätzliche Einnahmen durch die Vermietung freier Kapazitäten erzielen können. Für Logistikunternehmen entstehen Kosten für die Integration der Daten in bestehende Transport‑ und Dispositionssysteme, wobei die Höhe von den jeweiligen IT‑Landschaften und Lizenzmodellen abhängt. Da keine konkreten Zahlen vorliegen, sollten Unternehmen bei den Anbietern FRYTE und SMATRICS nach individuellen Angebotsdetails fragen.
Ein weiterer Kostenfaktor kann die Nutzung von öffentlichen Schnellladepunkten sein, die in der Regel nach kWh oder Ladevorgang abgerechnet werden. Die genauen Tarife variieren je nach Betreiber und Region, weshalb Unternehmen ihre Kalkulationen auf Basis der jeweiligen Preislisten vornehmen müssen. Ohne veröffentlichte Gesamtkosten lässt sich jedoch nur festhalten, dass die Einführung des Netzwerks sowohl potenzielle Einnahmen für Depot‑Betreiber als auch variable Betriebskosten für die Nutzer mit sich bringt.
Was dabei kaputtgeht
Die Integration des offenen OCPI‑Standards erfordert Anpassungen an bestehenden IT‑Systemen, insbesondere in den Bereichen Transport‑Management‑System (TMS), Flotten‑Management und Energiemanagement. Schnittstellen zu bestehenden Dispositions‑ und Routenplanungs‑Tools müssen erweitert oder neu entwickelt werden, was zu temporären Dateninkonsistenzen führen kann. Während der Umstellung kann es zu kurzen Ausfallzeiten bei der Anzeige von Ladepunktinformationen kommen, die insbesondere die Disposition von E‑Lkw‑Fahrern betreffen.
Zusätzlich müssen Mitarbeiter, die mit der Planung und dem Betrieb von E‑Lkw betraut sind, im Umgang mit der neuen Plattform geschult werden. Das betrifft Fahrer, die Reservierungen tätigen, Disponenten, die die Ladeplanung in ihre Touren einbinden, und IT‑Mitarbeiter, die die Schnittstellen betreuen. Ohne ausreichende Schulungen kann es zu Fehlbedienungen kommen, die die Auslastung der Ladepunkte reduzieren und die geplante Effizienzsteigerung gefährden.
Was ein Wechsel verlangt
Ein erfolgreicher Wechsel zum offenen Ladenetz erfordert eine koordinierte Projektplanung, die mehrere Abteilungen einbezieht. Zunächst muss das Management die strategische Entscheidung treffen, das Netzwerk zu nutzen, und ein Budget für die notwendigen IT‑Anpassungen bereitstellen. Die IT‑Abteilung ist für die Implementierung der OCPI‑Schnittstelle und die Anbindung an bestehende TMS‑Systeme verantwortlich, während die Disposition die neuen Planungsprozesse testet und anpasst.
Die durchschnittliche Projektdauer wird nicht genannt, jedoch lässt sich aus vergleichbaren Digitalisierungsprojekten schließen, dass die Implementierung und das Testen der Schnittstellen etwa drei bis sechs Monate in Anspruch nehmen kann. Während dieser Phase sollten Pilot‑Ladepunkte ausgewählt werden, um die Reservierungsfunktion im Echtbetrieb zu prüfen. Nach erfolgreichem Pilotbetrieb können weitere Standorte schrittweise eingebunden werden. Unternehmen sollten jetzt interne Ansprechpartner benennen, die die Kommunikation mit FRYTE und SMATRICS koordinieren und die Schulungsmaßnahmen für Fahrer und Disponenten planen.
