Ausgabe 28.08.2026
Euro Gazette

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Schweiz testet OpenDesk auf 3 000 Bundesarbeitsplätzen – 9,4 Mio. € Investition

Die Schweizer Bundesverwaltung startet 2026 ein Pilotprojekt mit der Open‑Source‑Office‑Suite OpenDesk. Auf 3 000 Arbeitsplätzen – rund 7 % des IT‑Bestands – werden Kosten von etwa 9,4 Mio. € investiert.

Milan Reuter

Die Schweizer Bundesverwaltung hat im Frühjahr 2026 ein umfangreiches Pilotprojekt gestartet, das die Open‑Source‑Office‑Suite OpenDesk auf 3 000 Arbeitsplätzen einführen soll. Damit werden etwa 7 % des gesamten Bundes‑IT‑Bestands von Microsoft 365 auf eine eigenständige Lösung umgestellt. Die Investition beläuft sich auf rund 9,4 Mio. €. Das Vorhaben ist Teil einer breiteren Strategie zur digitalen Souveränität und zum Schutz sensibler Regierungsdaten.

Umfang und Kosten des Pilotprojekts

Der Entscheid der Confédération, Open‑Source‑Bürosoftware zu testen, wurde im Rahmen einer offiziellen Mitteilung bestätigt. Laut dem Fachportal Les Numériques umfasst die aktuelle Testphase exakt 3 000 Arbeitsplätze, was einem Anteil von etwa 7 % am gesamten Bundes‑IT‑Bestand entspricht. Die Kosten werden mit rund 9,4 Mio. € angegeben – ein Betrag, der sich laut Experten schnell amortisieren könnte, wenn Lizenzgebühren für Microsoft‑Produkte reduziert werden.

Der Pilot folgt einem kleineren Vorversuch, bei dem bereits 172 Mitarbeitende der Bundeskanzlei die OpenDesk‑Suite nutzten. Dieser Test habe gezeigt, dass die Software in sicherheitskritischen Umgebungen stabil läuft und die geforderten Datenschutz‑ und Zugriffsanforderungen erfüllt.

Beweggründe: Datenschutz, Datenzugriff und Lizenzkosten

Ein zentraler Befürworter des Projekts ist Matthias Stürmer, Professor an der Berner Fachhochschule (BFH). In einem Interview mit Les Numériques nennt er drei Hauptgründe für den Wechsel von Microsoft 365 zu einer Open‑Source‑Lösung:

„Der Schutz sensibler Daten, ein uneingeschränkter Zugriff auf die eigenen Daten und die steigenden Lizenzkosten sind die treibenden Kräfte hinter der Entscheidung, OpenDesk zu testen.“

Stürmer betont, dass OpenDesk nicht nur die Unabhängigkeit von US‑Technologiekonzernen stärken, sondern auch die Möglichkeit bieten solle, den Quellcode selbst zu prüfen und an die speziellen Sicherheitsanforderungen des Bundes anzupassen.

Ausblick: Militärischer Cyber‑Command und zivile Administration

Während die zivile Bundesverwaltung mit dem 3 000‑Arbeitsplatz‑Pilot vorsichtig vorgeht, plant das militärische Cyber‑Command eine deutlich schnellere Umstellung. Laut internen Planungen soll die gesamte militärische IT‑Infrastruktur bis Oktober 2026 auf OpenDesk migriert sein. Die zivile Administration hingegen rechnet mit einem vollständigen Roll‑out erst Ende 2027, sofern die Ergebnisse des Pilotprojekts positiv ausfallen.

Derzeit laufen beide Systeme – Microsoft 365 und OpenDesk – parallel. So können kritische Prozesse ohne Unterbrechung weiterbetrieben werden, während die neuen Arbeitsplätze schrittweise umgestellt werden.

Analyse: Was bedeutet das für Europa?

Obwohl die Behauptung, es handele sich um die „größte Migration im öffentlichen Sektor Europas“, im Quelltext nicht belegt ist, lässt sich dennoch ein bedeutender Trend erkennen. Die Schweiz positioniert sich damit als Vorreiter in einer wachsenden Bewegung, bei der europäische Staaten nach Alternativen zu US‑Tech‑Giganten suchen. Andere Länder, etwa Frankreich und die Niederlande, prüfen ebenfalls Open‑Source‑Lösungen für ihre Behörden. Der finanzielle Aufwand von 9,4 Mio. € erscheint im Vergleich zu den jährlichen Lizenzkosten von Microsoft für vergleichbare Nutzerzahlen moderat – ein Hinweis darauf, dass die Wirtschaftlichkeit des Projekts langfristig attraktiv sein könnte.

Ein möglicher Stolperstein bleibt jedoch die Integration bestehender Dokumenten‑ und Workflow‑Systeme. OpenDesk muss nahtlos mit bereits etablierten Plattformen wie SAP, ERP‑Lösungen und speziellen Fachapplikationen kommunizieren. Die Bundesverwaltung hat hierfür ein begleitendes Evaluations‑Team eingesetzt, das technische Schnittstellen prüft und mögliche Anpassungen definiert.

Insgesamt zeigt das Schweizer Pilotprojekt, dass ein schrittweiser, gut finanzierter Ansatz zur digitalen Souveränität machbar ist. Es liefert wertvolle Daten für andere europäische Staaten, die ähnliche Wege gehen wollen.